Frau liegt mit geschlossenen Augen entspannt auf einer Massagematte in einem ruhigen, warm beleuchteten Raum
Thai-Massage

Thai-Massage bei Stress: Was Messungen von Herzschlag und Stressmarkern zeigen

ℹ️Das Wichtigste in Kürze:

In kleinen Studien aus Thailand hatten Menschen nach Thai-Massage niedrigere Stresswerte und eine höhere Herzratenvariabilität. Nach einer einzelnen Sitzung war reines Ausruhen allerdings fast genauso wirksam. In einer Studie mit Terminen über vier Wochen unterschied sich die Herzratenvariabilität deutlicher von einer Vergleichsgruppe ohne Massage.

Wie lässt sich Stress messen?

Stress ist nicht nur ein Gefühl, er hinterlässt auch Spuren im Körper. Die Studien in diesem Artikel nutzen drei Arten von Messwerten:

  • Herzratenvariabilität (HRV): Das Herz schlägt nicht wie ein Metronom. Die Abstände zwischen zwei Schlägen schwanken leicht, und in entspanntem Zustand schwanken sie stärker als unter Anspannung. Zwei gängige Kennzahlen dafür heißen SDNN und RMSSD. Steigen sie, gilt das als Zeichen, dass der Teil des Nervensystems aktiver ist, der für Ruhe und Erholung zuständig ist.
  • Alpha-Amylase im Speichel: Dieses Enzym steigt, wenn der Körper in Alarmbereitschaft geht. Es lässt sich mit einer einfachen Speichelprobe bestimmen.
  • Fragebögen: Hier schätzen die Teilnehmenden ihren Stress oder ihre Anspannung selbst ein.

Eine einzelne Thai-Massage: entspannend, aber Ruhe wirkt auch

Eine Studie der Khon-Kaen-Universität hat eine einzelne Sitzung direkt mit reinem Ausruhen verglichen. 29 gesunde, nur leicht gestresste Erwachsene, überwiegend Frauen, wurden zuerst mit einer zehnminütigen Rechenaufgabe unter Druck gesetzt. Danach erhielten sie entweder eine Stunde Thai-Massage am ganzen Körper oder ruhten eine Stunde im Liegen. Zwei Wochen später tauschten sie die Rollen, sodass jede Person beide Varianten erlebte [1].

Die Alpha-Amylase im Speichel sank nach der Massage von durchschnittlich 5,00 auf 3,69 KU/L. Nach der Ruhestunde sank sie nicht, sondern lag danach bei 4,90 KU/L (vorher 4,41). Das war der einzige Messwert, bei dem sich Massage und Ruhe statistisch signifikant unterschieden [1].

Die übrigen Werte verbesserten sich in beiden Durchgängen ähnlich stark oder blieben in beiden gleich: Die Herzfrequenz sank, die Herzratenvariabilität stieg, und der selbst eingeschätzte Stress fiel deutlich. Den Rückgang der Alpha-Amylase bezeichnen die Autoren selbst als bescheidenen Effekt.

Für den Alltag heißt das: Eine ruhige Stunde im Liegen senkt die Anspannung bereits messbar. Die Massage brachte in dieser Studie nur beim Speichelwert einen kleinen zusätzlichen Effekt.

Mehrere Termine: Was sich nach einer bis vier Wochen zeigte

Drei Massagen in einer Woche

An einer Universität in Ubon Ratchathani erhielten 26 junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, die laut Fragebogen unter hohem Stress standen, drei Thai-Massagen zu je 60 Minuten innerhalb einer Woche. Behandelt wurde mit gezieltem Daumen- und Fingerdruck entlang bestimmter Linien an Beinen, Armen, Schultern und Nacken [2].

Nach dem dritten Termin lag der gemessene Stress-Index niedriger als vor dem ersten (92,27 statt 96,47), beide Werte liegen allerdings im Referenzbereich von 90 bis 110. Die HRV-Kennzahl SDNN stieg von 43,67 auf 51,04 Millisekunden, RMSSD von 34,20 auf 41,34 Millisekunden [2]. Im Fragebogen hatten vor der Behandlung alle Teilnehmenden hohen oder sehr hohen Stress angegeben. Danach ordnete sich die Hälfte bei niedrigem Stress ein, gut 15 Prozent lagen noch im hohen Bereich.

Diese Studie hatte allerdings keine Vergleichsgruppe. Wie viel davon auf die Massage zurückgeht und wie viel auf Ruhe, Zuwendung oder die Erwartung, dass es hilft, lässt sich nicht trennen. Außerdem wurden nur besonders gestresste Menschen aufgenommen, und deren Werte sinken oft auch ohne Behandlung etwas.

Vier Wochen, zwei Termine pro Woche

Eine Vergleichsgruppe gab es in einer Studie mit 60 Männern zwischen 36 und 50 Jahren, die an einem Programm zur Rauchentwöhnung teilnahmen. Per Los erhielt die Hälfte zusätzlich zweimal pro Woche eine 45-minütige Thai-Massage an Rücken, Nacken und Kopf, vier Wochen lang. Der Druck wurde dabei bewusst unterhalb der Schmerzgrenze gehalten [3].

In der Massagegruppe stieg SDNN von 24,17 auf 37,43 Millisekunden, in der Vergleichsgruppe nur von 21,51 auf 24,91. Bei RMSSD sah es ähnlich aus: 18,02 auf 26,97 Millisekunden mit Massage, 16,97 auf 17,98 ohne. Beide Unterschiede zwischen den Gruppen waren statistisch signifikant [3].

Auch hier gibt es Einschränkungen. Untersucht wurden nur Männer in einer einzigen Einrichtung, es gab keine Scheinbehandlung, und der Stress-Fragebogen wurde zwar erhoben, aber nicht mit Zahlen ausgewertet.

Thai-Massage und Anspannung bei Nackenschmerzen

Stress und Verspannungen hängen oft zusammen. Eine Studie der Mae-Fah-Luang-Universität untersuchte 48 Menschen zwischen 20 und 40 Jahren mit chronischen Nacken- und Schulterschmerzen durch verhärtete Muskelpunkte. Eine Gruppe bekam über drei Wochen neun Thai-Massagen zu je 30 Minuten. Die andere Gruppe erhielt eine Scheinbehandlung mit einem Kurzwellengerät, das zwar eingeschaltet war, aber keine Wellen abgab. Gemessen wurde unter anderem die momentane Angst und Anspannung mit einem Fragebogen [4].

In der Massagegruppe sank der Wert von 41,79 auf 29,50 Punkte, in der Scheingruppe von 42,52 auf 34,60. Auch die Scheinbehandlung half also spürbar. Rechnet man die Ausgangswerte heraus, lag die Massagegruppe am Ende um knapp 5 Punkte niedriger. Das ist statistisch signifikant, aber nur knapp [4].

Was die Studien nicht zeigen

📝Zur Einordnung:

Alle vier Studien stammen aus Thailand und untersuchten kleine, recht einheitliche Gruppen von 26 bis 60 Personen. Keine davon hat nachverfolgt, ob die Wirkung Wochen oder Monate nach dem letzten Termin anhält.

Gemessen wurden vor allem körperliche Stresszeichen und Fragebögen direkt nach der Behandlung. Ob Menschen durch Thai-Massage im Alltag gelassener sind, besser schlafen oder seltener an stressbedingten Beschwerden leiden, wurde nicht untersucht. Außerdem wissen die Teilnehmenden bei einer Massage immer, dass sie massiert werden. Erwartung und Zuwendung spielen deshalb vermutlich eine Rolle, und das lässt sich in solchen Studien kaum herausrechnen.

Was bedeutet das für Sie?

Wenn Sie Thai-Massage zum Abschalten nutzen möchten, deuten die bisherigen Daten eher auf regelmäßige Termine hin. Direkt verglichen hat das aber noch keine Studie. In den Studien mit mehreren Wochen gab es zwei bis drei Termine pro Woche. Gleichzeitig zeigt die Studie mit der Ruhestunde, dass schon das Hinlegen und Nichtstun viel bewirkt. Eine Massage kann ein guter Anlass sein, sich diese Zeit tatsächlich zu nehmen.

Sagen Sie Ihrer Masseurin oder Ihrem Masseur, wenn Ihnen der Druck zu stark ist. Entspannung stellt sich leichter ein, wenn die Behandlung nicht wehtut.

⚠️Bei anhaltendem Stress ärztlich abklären lassen:

Wenn die Anspannung über Wochen anhält, Sie schlecht schlafen, Herzrasen bemerken oder sich dauerhaft niedergeschlagen fühlen, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Eine Massage kann eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung nicht ersetzen.

Quellen

  1. Sripongngam, T., Eungpinichpong, W., Sirivongs, D., Kanpittaya, J., Tangvoraphonkchai, K., & Chanaboon, S. (2015). Immediate effects of traditional Thai massage on psychological stress as indicated by salivary alpha-amylase levels in healthy persons. Medical Science Monitor Basic Research, 21, 216–221. https://doi.org/10.12659/MSMBR.894343
  2. Sangprapai, W., Deeom, N., Boontem, W., Pimwong, A., Aussawatworachot, T., & Singthong, P. (2023). Effects of Royal Court Massage on Stress Index in Stressed Person with Stressed. Journal of The Royal Thai Army Nurses, 24(1), 327–335. https://he01.tci-thaijo.org/index.php/JRTAN/article/view/250297
  3. Leardarewut, C., Damapong, P., Damapong, P., Saereewat, C., & Wongthaijaroen, Y. (2024). The community networks development and study the effectiveness of traditional Thai massage in reducing stress to smoking reduction and smoking cessation at Ban Chuan Tambon Health Promotion Hospital in Bamnet Narong District, Chaiyaphum Province. Journal of Allied Health Sciences Suan Sunandha Rajabhat University, 9(1), 70–80. https://he04.tci-thaijo.org/index.php/JAHS/article/view/1134
  4. Buttagat, V., & Hancharoenkul, B. (2019). Therapeutic effects of traditional Thai massage on cervical range of motion, pain and anxiety in patients with upper trapezius myofascial pain syndrome: An assessor-blind randomized controlled trial. Journal of Medical Technology and Physical Therapy, 31(1), 9–20. https://he01.tci-thaijo.org/index.php/ams/article/view/187365

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