Ältere Person sitzt auf einem Stuhl und hält sich mit beiden Händen das schmerzende Knie, ruhige häusliche Umgebung, warmes Licht
Thai-Massage gegen Schmerzen

Thai-Massage bei Kniearthrose (Gonarthrose): Was Studien zeigen

ℹ️Das Wichtigste in Kürze:

Zwei randomisierte Studien aus Thailand haben untersucht, wie sich Thai-Massage (meist kombiniert mit Bewegungsübungen oder einem Kräuterwickel) bei Kniearthrose auf Schmerz, Steifigkeit und Gehfähigkeit auswirkt. Beide Studien zeigen kurzfristige Verbesserungen, vergleichen dabei aber nicht Massage gegen gar keine Behandlung, sondern zwei aktive Ansätze miteinander. Die Ergebnisse sind daher ein Hinweis, kein Beweis für einen eigenständigen Massage-Effekt.

Was die beiden Studien zur Thai-Massage bei Kniearthrose überhaupt verglichen haben

Wer nach Thai-Massage bei Kniearthrose (Gonarthrose) sucht, stößt auf zwei kontrollierte Studien aus Thailand, beide mit einem wichtigen gemeinsamen Merkmal: Keine der beiden vergleicht Massage gegen gar keine Behandlung.

In der ersten Studie erhielten 31 ältere Teilnehmende (50 bis 85 Jahre) aus zwei Dorfgemeinden in der Provinz Khon Kaen acht Wochen lang eines von zwei Komplettprogrammen: Die eine Gruppe kombinierte ein thailändisches Übungsprogramm mit einem Stab, traditionelle Thai-Massage entlang der Muskellinien und eine oberflächliche Wärmeanwendung mit einem Kräuterbeutel. Die Vergleichsgruppe erhielt Kräftigungsübungen, eine schwedische Massage und eine Wärmflasche [[1]]. Beide Programme liefen danach ein Jahr lang als Heimprogramm mit Auffrischungssitzung weiter.

In der zweiten, deutlich größeren Studie mit 308 Teilnehmenden (40 bis 75 Jahre, Durchschnitt 64) aus 27 thailändischen Regierungskliniken bekamen beide Gruppen dieselbe Thai-Massage: anderthalb Stunden, jeden zweiten Tag über fünf Sitzungen, danach fünf wöchentliche Erhaltungssitzungen. Der einzige Unterschied: Eine Gruppe erhielt zusätzlich einen traditionellen thailändischen Kräuterwickel auf das Knie [[2]]. Diese Studie beantwortet also nicht die Frage „Massage oder keine Massage?", sondern „Bringt ein Kräuterwickel zusätzlich zur Massage etwas?".

Für die Frage, ob Thai-Massage bei Kniearthrose wirkt, heißt das: Beide Studien liefern Hinweise auf kombinierte Programme, aber keine isolierte Aussage zur Massage allein.

Schmerz: Wo sich ein Unterschied zeigte – und wo nicht

In der Kräuterwickel-Studie besserte sich der Ruheschmerz nach fünf Wochen in der Gruppe mit zusätzlichem Kräuterwickel statistisch bedeutsam stärker als unter Massage allein (1,31 gegenüber 1,43 Punkten auf der genutzten Skala, p = 0,023) [[2]]. Bei anderen Schmerz-Aspekten zeigte sich dagegen kein signifikanter Zusatznutzen: Der Schmerz beim Gehen unterschied sich zwischen den Gruppen nicht bedeutsam (p = 0,174) [[2]]. Auch beim Schmerz-Item „Treppensteigen" (1,87 gegenüber 1,78 Punkten) verfehlte der Unterschied mit p = 0,032 die von den Studienautorinnen selbst angelegte, strengere Signifikanzschwelle für dieses Ergebnis [[2]]. Nächtlicher Schmerz und Schmerz bei Belastung unterschieden sich ebenfalls nicht signifikant zwischen den Gruppen [[2]].

Wichtig für die Einordnung: Da beide Gruppen Massage erhielten, zeigen diese Zahlen nicht, ob Massage grundsätzlich gegen Knieschmerzen hilft, sondern nur, ob der zusätzliche Kräuterwickel messbar mehr bringt als Massage allein. Ohne unbehandelte Vergleichsgruppe lässt sich der Beitrag der Massage selbst aus dieser Studie nicht herauslösen.

Steifigkeit und Alltagsfunktionen

Bei der Gelenksteifigkeit fiel der Unterschied deutlicher aus: Sowohl die Morgensteifigkeit (1,48 gegenüber 1,66 Punkten, p = 0,001) als auch die Steifigkeit im weiteren Tagesverlauf (1,59 gegenüber 1,73 Punkten, p = 0,009) besserten sich mit Kräuterwickel stärker als unter Massage allein [[2]].

Bei mehreren Alltagsfunktionen (etwa Aufstehen aus dem Sitzen, Stehen, Gehen auf ebener Fläche, Ein- und Aussteigen aus dem Auto, Einkaufen und Ankleiden) war die Verbesserung in der Kräuterwickel-Gruppe ebenfalls statistisch signifikant größer (p zwischen 0,001 und 0,002) [[2]]. Bei anderen Alltagsfunktionen, etwa Treppensteigen, Liegen oder Hausarbeit, ließ sich dagegen kein signifikanter Zusatznutzen nachweisen [[2]].

Gehstrecke über Wochen und Monate

In der ersten Studie verbesserte sich die in sechs Minuten zurückgelegte Gehstrecke (6-Minuten-Gehtest) nach zwei Monaten in beiden Gruppen gegenüber dem Ausgangswert deutlich: In der Thai-Übungs-und-Massage-Gruppe stieg sie von 301 auf 331 Meter (p < 0,01), in der Vergleichsgruppe von 313 auf 376 Meter (p < 0,001) [[1]]. Im direkten, für Ausgangswerte bereinigten Gruppenvergleich lag die Thai-Massage-Gruppe dann im 5. Monat (plus 61 Meter) und im 14. Monat (plus 47 Meter) signifikant vor der Vergleichsgruppe, im 2. und 8. Monat war der Unterschied dagegen nicht signifikant [[1]].

Was nach einem Jahr übrig blieb

Über das gesamte Jahr betrachtet, sank die Gehstrecke in beiden Gruppen wieder: Die Thai-Massage-Gruppe lag am Ende bei 217 Metern (Ausgangswert: 301 Meter), die Vergleichsgruppe bei 300 Metern (Ausgangswert: 313 Meter) [[1]]. Welche der beiden Abnahmen statistisch signifikant war, lässt sich aus der Studie selbst nicht eindeutig klären: Ergebnistext und Datentabelle widersprechen sich an dieser Stelle. Eindeutig ist dagegen: Einen dauerhaften Vorteil über den Ausgangswert hinaus zeigen die Jahresdaten in keiner der beiden Gruppen.

Auch beim WOMAC-Score, der Schmerz, Steifigkeit und körperliche Funktion zusammenfasst, verbesserten sich beide Gruppen nach zwei Monaten gegenüber dem Ausgangswert deutlich [[1]]. Im direkten Gruppenvergleich unterschieden sich die beiden Programme beim WOMAC-Score zu keinem der gemessenen Zeitpunkte signifikant voneinander [[1]].

Lebensqualität: früher Vorteil, später kein Vorsprung mehr

Bei der psychischen Gesundheit (gemessen mit dem Fragebogen SF-36) lag die Thai-Massage-Gruppe im 2. und 5. Monat signifikant vor der Vergleichsgruppe [[1]]. Im 14. Monat kehrte sich dieses Bild jedoch um: Dann war die psychische Gesundheit in der Vergleichsgruppe signifikant besser (p = 0,01) [[1]]. Die körperliche SF-36-Dimension unterschied sich zu keinem Zeitpunkt signifikant zwischen den Gruppen [[1]].

⚠️Ärztliche Abklärung geht vor:

Beide Studien vergleichen aktive Behandlungsprogramme miteinander, nicht Massage gegen gar keine Behandlung, ein eigenständiger Nutzen der Thai-Massage lässt sich daraus nicht ableiten. Bei Kniearthrose sollte eine Massage eine ärztlich abgeklärte Behandlung ergänzen, nicht ersetzen. Klären Sie insbesondere akute Schwellungen, starke Schmerzen oder eine fortgeschrittene Arthrose vorab ärztlich ab.

Wie sicher ist Thai-Massage bei Kniearthrose?

In der ersten Studie traten bei keiner der beiden Gruppen unerwünschte Wirkungen auf, und niemand brach die Teilnahme ab [[1]]. Das betrifft allerdings das gesamte Programm aus Übungen, Massage und Kräuterwärme, nicht die Massage isoliert. In der Kräuterwickel-Studie zeigte sich zudem, dass nach den fünf Studienwochen in keiner der beiden Gruppen eine röntgenologische Verschlechterung der Arthrose nachweisbar war [[2]], bei dieser kurzen Zeitspanne allerdings ein erwartbarer Befund.

Grenzen der Studienlage

📝Evidenz-Einordnung:

Die erste Studie hatte mit 31 Teilnehmenden eine sehr kleine Stichprobe und war mit einer statistischen Power von nur 0,3 deutlich unterpowert [[1]]; weder sie noch die Kräuterwickel-Studie verblindeten Teilnehmende oder Behandelnde [[1]][[2]]. Beide Studien bündelten Massage mit weiteren Maßnahmen (Übungen und Wärme beziehungsweise Kräuterwickel), sodass sich der Beitrag der Massage allein nicht herauslösen lässt. In der ersten Studie war zudem die Übungs-Adhärenz in der Thai-Massage-Gruppe höher als in der Vergleichsgruppe, ein möglicher Störfaktor für die beobachteten Unterschiede [[1]].

Fazit

Die vorliegende Studienlage zu Thai-Massage bei Kniearthrose ist ein Hinweis, kein Beweis: Kombinierte Programme mit Thai-Massage zeigten in beiden Studien kurz- bis mittelfristige Verbesserungen bei Schmerz, Steifigkeit und Gehfähigkeit, teils vergleichbar, teils sogar zunächst besser als die jeweilige Vergleichsbehandlung. Ein eigenständiger, von anderen Maßnahmen isolierter Effekt der Massage lässt sich aus den bisherigen Daten aber nicht ableiten, und über ein Jahr betrachtet verschwanden manche frühen Vorteile wieder. Wer Thai-Massage bei Kniearthrose ausprobieren möchte, sollte das als Ergänzung zu einer ärztlich abgestimmten Behandlung verstehen, nicht als Ersatz.

Quellen

  1. Peungsuwan, P., Sermcheep, P., Harnmontree, P., Eungpinichpong, W., Puntumetakul, R., Chatchawan, U., & Yamauchi, J. (2014). The Effectiveness of Thai Exercise with Traditional Massage on the Pain, Walking Ability and QOL of Older People with Knee Osteoarthritis: A Randomized Controlled Trial in the Community. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3927027/
  2. Sresumatchai, V., Jongjiarsiri, Y., & Khunboonchan, T. (2025). Reduction of Knee Pain from Osteoarthritis with Thai Massage and Thai Herbal Poultice in Government Hospitals, Thailand. https://he02.tci-thaijo.org/index.php/jph/article/view/274974