Person hält sich mit geschlossenen Augen die schmerzenden Schläfen, ruhiges, gedämpft beleuchtetes Zimmer im Hintergrund
Thai-Massage gegen Schmerzen

Thai-Massage bei Spannungskopfschmerzen – was die Forschung zeigt

Wie entsteht Spannungskopfschmerz – und was hat Massage damit zu tun?

Spannungskopfschmerz (englisch tension-type headache, TTH) ist die häufigste Kopfschmerzform überhaupt: ein dumpfer, drückender Schmerz auf beiden Seiten des Kopfes, oft begleitet von Verspannungen in Nacken und Schultern. Bei der chronischen Form treten die Beschwerden an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als sechs Monate auf. Weil muskuläre Verspannung dabei eine zentrale Rolle spielt, liegt der Gedanke nahe, mit manueller Therapie anzusetzen, zum Beispiel mit der traditionellen Thai-Massage.

Untersucht wurde dabei eine bestimmte Form der Thai-Massage: eine traditionell am thailändischen Königshof gepflegte Variante mit gezieltem, dosiertem Daumen- und Fingerdruck entlang bestimmter Muskel- bzw. Energielinien; in den hier vorgestellten Studien wurde sie an Schultern, oberem Rücken, Nacken, Hinterkopf und Stirn angewendet.

ℹ️Das Wichtigste in Kürze:

Zwei randomisiert-kontrollierte Studien aus Thailand untersuchten Thai-Massage bei Spannungskopfschmerz: einmal im direkten Vergleich mit einem vorbeugenden Kopfschmerz-Medikament, einmal als Ergänzung zur üblichen Schmerzbehandlung. Beide Studien berichten eine Linderung durch die Massage, allerdings mit unterschiedlich starker statistischer Absicherung und ohne Vergleich zu einer Scheinbehandlung.

Wirkt Thai-Massage so gut wie ein Medikament? Eine thailändische RCT im Vergleich

In einer randomisiert-kontrollierten Studie (RCT) aus der Provinz Chaiyaphum wurden 60 Erwachsene mit chronischem Spannungskopfschmerz (Kopfschmerz an mindestens 15 Tagen im Monat, Schmerzstärke von mindestens 4 auf einer Skala von 0 bis 10) neu einer von zwei Gruppen zugeteilt [1]. Eine Gruppe erhielt über vier Wochen zweimal wöchentlich eine 45-minütige Thai-Massage, insgesamt acht Sitzungen; die andere Gruppe nahm täglich 25 mg des Antidepressivums Amitriptylin ein [1].

In beiden Gruppen sank die Schmerzintensität deutlich: von rund 6 Punkten auf der zehnstufigen Skala zu Beginn auf etwa 2,6 bis 2,9 Punkte beim Follow-up in Woche 6, also zwei Wochen nach Ende der vierwöchigen Behandlungsphase [1]. Im direkten Gruppenvergleich schnitt die Massage etwas besser ab: Die Schmerzreduktion war zu allen drei Messzeitpunkten statistisch stärker als unter Amitriptylin, wobei der Unterschied mit der Zeit kleiner wurde und in Woche 6 nur noch 0,44 Punkte betrug [1]. Die Studienautor:innen weisen selbst darauf hin, dass die Teilnehmenden wussten, welcher Gruppe sie angehörten; eine Verblindung war bei einer Massagebehandlung schlicht nicht möglich, sodass sich ein Erwartungseffekt nicht ausschließen lässt [1].

Auch objektivere Messwerte veränderten sich. Die Druckschmerzschwelle am Kopf, ein Maß dafür, wie viel Druck nötig ist, bis ein Punkt schmerzt, stieg in der Massagegruppe zu allen Zeitpunkten stärker als unter Amitriptylin. Sie blieb allerdings unterhalb der Schwelle, die die Autor:innen selbst als klinisch relevant definiert hatten (0,32 bis 0,38 statt der geforderten 1 kg/cm²) [1]. Die Gewebehärte im Nacken- und Schulterbereich sank in beiden Gruppen, ein Vorteil der Massage zeigte sich aber nur zu einem von drei Messzeitpunkten [1]. Als Hinweis auf eine Beruhigung des vegetativen Nervensystems werteten die Forschenden zudem einen Anstieg der Herzratenvariabilität in der Massagegruppe, allerdings ohne signifikanten Unterschied zur Medikamentengruppe [1].

Ergänzend zur Standardbehandlung: Massage plus Kräuterkompresse

In einer größeren Studie am Siriraj Hospital in Bangkok wurden 104 Menschen mit ärztlich beziehungsweise neurologisch bestätigtem Spannungskopfschmerz untersucht [2]. Eine Gruppe erhielt zusätzlich zur üblichen Schmerzbehandlung (Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen, bei chronischem Verlauf ergänzt um Amitriptylin) einmal wöchentlich über vier Wochen eine 45-minütige Thai-Massage samt Kräuterkompresse; die Kontrollgruppe erhielt nur die Standardbehandlung [2].

Nach vier Wochen war die Schmerzstärke auf einer Skala von 0 bis 10 in der Massage-Gruppe niedriger (im Mittel 1,08) als in der Kontrollgruppe (2,24), wobei der Unterschied genau an der statistischen Signifikanzgrenze lag [2]. Deutlicher fiel ein anderer Wert aus: Eine Schmerzreduktion um mindestens die Hälfte erreichten 92 Prozent der Massage-Gruppe, aber nur 60 Prozent der Kontrollgruppe [2]. Auch die Häufigkeit der Kopfschmerz-Episoden pro Monat war in der Massage-Gruppe niedriger als in der Kontrollgruppe [2]. Kein Unterschied zeigte sich dagegen bei der Zufriedenheit mit der Behandlung und beim Verbrauch an Schmerzmitteln [2]. Auch hier fehlte ein Vergleichsarm mit einer Scheinbehandlung, und die Massage wurde stets zusammen mit der Kräuterkompresse gegeben, sodass sich der Anteil der Massage am Effekt nicht isoliert bestimmen lässt [2].

Was die Studienlage (noch) nicht zeigt

Beide Studien haben Stärken: Sie sind randomisiert-kontrolliert, mit wiederholten Messungen über vier bis sechs Wochen, und beide deuten in dieselbe Richtung: Thai-Massage kann Spannungskopfschmerz-Beschwerden lindern. Zugleich teilen sie zentrale Schwächen. Keine der beiden konnte gegen eine Scheinbehandlung verblinden, sodass ein Teil der beobachteten Wirkung auf Zuwendung und Erwartungshaltung zurückgehen könnte. Beide fanden zudem ausschließlich in Thailand statt, mit überwiegend weiblichen Teilnehmerinnen und relativ kurzen Beobachtungszeiträumen. Wie sich eine Wirkung über einen längeren Zeitraum entwickelt oder ob sie auch außerhalb der untersuchten Kliniken reproduzierbar ist, bleibt offen.

📝Einordnung:

Wo Massage direkt gegen ein Medikament antrat, war der gemessene Unterschied klein und nahm mit der Zeit weiter ab. Wo sie zusätzlich zur Standardbehandlung gegeben wurde, war der Effekt bei der reinen Schmerzstärke nur grenzwertig signifikant, bei der Zahl der Menschen mit deutlicher Besserung dagegen deutlich klarer. Für belastbarere Aussagen fehlt bislang eine Studie mit Schein- beziehungsweise Placebo-Massage.

Ist Thai-Massage bei Kopfschmerzen sicher?

Nebenwirkungen wurden in beiden Studien nur am Rande erfasst. In der ersten Studie berichteten einige massageunerfahrene Teilnehmende nach der ersten Sitzung von leichtem Schulterschmerz, der nach ein bis zwei Tagen wieder abklang; in der Amitriptylin-Gruppe klagten Teilnehmende in den ersten Tagen über morgendliche Schläfrigkeit [1]. Wer regelmäßig oder besonders starke Kopfschmerzen hat, sollte die Ursache zunächst ärztlich abklären lassen; die hier vorgestellten Studien ersetzen diese Abklärung nicht.

⚠️Bei chronischem oder unklarem Kopfschmerz gehört zuerst eine ärztliche Abklärung dazu.

In beiden hier vorgestellten Studien wurde die Diagnose Spannungskopfschmerz vorab nach anerkannten Kriterien gestellt: in der ersten Studie nach den Kriterien der International Headache Society [1], in der zweiten zusätzlich ärztlich und neurologisch bestätigt [2]. Thai-Massage wurde jeweils begleitend zur oder im Vergleich mit einer medizinischen Behandlung eingesetzt, nicht als Ersatz dafür. Wer regelmäßig oder besonders starke Kopfschmerzen hat, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen, bevor er auf eigene Faust eine Selbsttherapie beginnt. Das gilt insbesondere, um andere Kopfschmerzformen wie Migräne auszuschließen, für die hier keine Aussage getroffen wird.

Fazit: Was bedeutet das für Sie?

Die vorliegende Studienlage deutet darauf hin, dass eine regelmäßige Thai-Massage Spannungskopfschmerzen lindern kann: als eigenständige Behandlung über mehrere Wochen, ähnlich wirksam wie ein gängiges vorbeugendes Medikament, oder als Ergänzung zur üblichen Schmerzbehandlung. Eine Garantie auf Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten, und beide Studien konnten Erwartungs- und Zuwendungseffekte nicht ausschließen. Wer es ausprobieren möchte, sollte die Diagnose zuvor ärztlich klären lassen und die Massage als Ergänzung verstehen, nicht als Ersatz für eine bestehende Behandlung.

Quellen

  1. Damapong, Peerada, Kanchanakhan, Naowarat, Eungpinichpong, Wichai, Putthapitak, Prasobsook, & Damapong, Pongmada. (2015). A Randomized Controlled Trial on the Effectiveness of Court-Type Traditional Thai Massage versus Amitriptyline in Patients with Chronic Tension-Type Headache. https://doi.org/10.1155/2015/930175
  2. Prompituck, Watcharinporn, Henggrathock, Supaporn, Sangsumart, Poohminapath, Trakulbanmahing, Phonpawi, Jamnian, Apinan, Changlek, Nattavud, Thonglue, Thiamchit, Apichartvorakit, Angkana, Chotinaiwattarakul, Wattanachai, Nilanont, Yongchai, Nimmannit, Akarin, Akarasereenont, Pravit, & Laohapand, Tawee. (2016). The Effectiveness of Court-type Thai Traditional Massage for Relieving Tension-type Headache. https://he01.tci-thaijo.org/index.php/JTTAM/article/view/101884